Welpentraining --> warum?
Die meisten Leute, die sich einen Kangal anschaffen schwärmen bald voller Stolz von Ihrem kleinen Kerlchen. Sie berichten Ihren Züchtern voller Begeisterung, dass ihr Welpe bereits nach wenigen korrigierten Pfützen stubenrein war, Sitz mache und und eben die meiste Zeit der perfekte Welpe sei.
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Kangalzüchter hören auch oft genug, der Welpe komme wenn man ihn rufe, sei zu allen Menschen und Hunden freundlich und zerkaue auch nicht das gesammte Mobilar. Wenn der Züchter dann nach einer Welpenspielstunde oder Training für grundlegenten Gehorsam fragt wundern sich die glücklichen Besitzer, denn offentsichtlich ist ihr kleiner Türke doch ein feiner Kerl, weshalb also so ein Training?
Es ist schwierig sich vorzustellen, dass dieser kleine Fratz, der keinerlei Probleme darstellt, einen, eines Tages über den Asphalt schleppen könnte, um den Chow-chow des Nachbarns zu zeigen wer hier der Chef ist. Oder, das dieses Kerlchen sich dazu entscheiden könne einestages seine Futterschüssel gegen alles einschließlich einem selbst zu verteidigen. Wer würde das von seinem kleinen Liebling denken, der einen so lieb mit seinen braunen Augen anschaut, auf Kritik so empfindlich reagiert und sich auch sonst so lernbereit zeigt.
Viele seriöse Kangalzüchter stellen sich selbst ins Aus wenn sie Interessenten ihrer Hunde über die Anforderungen zur Anschaffung eines Kangals informieren. Diese Hunde sind keine Anfängerhunde. Sie werden nicht wie ein Labrador etc. fungieren, und den ganzen Tag eifrig apportieren. Eine Menge möglicher Welpenkäufer werden sich auf Grund dessen anderweitig umschauen, und das ist auch gut so, denn wer einen einfachen Hund möchte sollte sich keinen Kangal anschaffen und auch keine anderen HSH.
Menschen die sich dennoch zur Anschaffung eines Kangals entschieden haben, meinen oft das Gegenteil davon bekommen zu haben wovor der Züchter gewarnt hatte. Doch der Schein trügt.
Langsam und unverkennbar werden kleine Zeichen des Aufstandes und der Unabhängigkeit sichtbar. Diese Unabhängigkeit ist für diese Rasse eine charakteristische Eingenschaft, die für uns westliche Hundehalter eine Extraherausvorderung darstellt.
Der süße Fratz ist bald 6 Monate oder gar 1 Jahr, deutlich schwerer und größer, und nun plötzlich fängt er an, an der Leine zu ziehen, zeigt die ersten Anzeichen des Angriffs auf größere Hunde, hört nicht wenn man ihn ruft, springt Besucher an und befolgt ihm wohlbekannte Befehle im Park nicht mehr. Dies tritt fast unvermeidlich mehr oder weniger stark ausgeprägt bei jedem Junghund auf. Die Wirklichkeit stellt sich ein, und je weniger sozialisiert und ausgebildet der Hund ist, desto härter wird es. Einen Hund umzuschulen der schlechte Gewohnheiten entwickelt hat, ist wesentlich schwieriger als ihn von Anfang an richtig zu erziehen.
Für den Kangal muss ein Sozialisierungsprogramm von Anfang an abfahren und selbst im Erwachsenenalter fortgeführt werden. Disziplin, grundlegende Sozialisierung und der Respekt gegenüber dem Halter ist für einen HSH unbedingt erforderlich.
Man verbringt ein dutzend oder mehr Jahre mit diesem Hund, dies allein sollte Grund genug dafür sein den Hund richtig auszubilden. Um ein angenehmes Leben mit ihm führen zu können ist es nun mal wichtig, das er lernt sich an seinem Besitzer zu orientieren, auch wenn Ablenkungen vorhanden sind, und ihn etwas anderes viel mehr interessieren würde. Er muss lernen andere Hunde in seiner Nähe zu tolerieren, auch wenn er diese nicht leiden kann.
Die Erziehung eines Kangals fordert einem viel Geduld und Konsequenz ab, doch das Training macht auch Spaß und man wird es nicht bedauern und der Hund wird einen dafür lieben.
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